Gedichte in der Arche

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Publisher: Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur
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Publication Date: 4. August
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In stock: YES
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Country: Hungary
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Zur Ruhe kommen, wie es sich ergibt

 

Es ergab sich, dass ich von hoch oben,

wo ich jetzt bin, allerlei sehe,

was um mich ist, und all dies gibt mir

in der Tat gewissermaßen Ruhe.

 

Von hoch oben, schreibe ich, widerwärtig

vielleicht, welche Metapher?, fragst du,

obgleich es nur Fakt ist. So wie auch,

dass all dies nunmehr Ruhe in mir ist.

 

Quasi ein Zur-Ruhe-Kommen, so wie auch hier,

zaudernde, improvisierte Nachricht, auf Antwort
wartende Mitteilung, die Hoffnung darauf, dass ich

noch existieren könnte, und mir Gutes widerfährt.

 

Ich lüge auch jetzt. Fast schon so,

wie die Metapher lügt, beinahe ein

Spiegelbild, denn das Gute kümmert mich nicht,
mich kümmert heute gar nichts mehr.

 

Der Augenblick vor dem Vergehen jedoch
schon, ich will wissen, auf welche Art
ich dorthin scheiden werde, wo ich zuvor
noch niemals gewesen bin.

 

Von hoch oben, wenn es sich schon so ergab,

sehe ich allerlei, das mich umgibt,

ich sehe die Art, auf die all das eilt,

das nun mal eilt, ohne besonderen Grund.

 

Ich will nichts anderes mehr. Nur dies:
dieses Nichts betrachten, solange es geht.
Die Luft einsaugen, wenn sie frisch ist,

denn wer lebt, der atmet, solange er kann.

triefende Alltage

 

gedemütigt kann man nicht auf neuen Pfaden wandeln.

 

ich bin aufgebrochen und zurückgekehrt.

und ich sagte, ich kann nirgendwo anders.

und die Rückkehr tat weh, und dennoch

hat sie mich irgendwie beruhigt.

 

nicht Paris, auch nicht Bakony, sagt
eine Person, die ich gut kannte, und die

mir sagte, als ich jung war, dass
sie bald sterben würde.

 

ich glaubte ihr nicht, damals, befremdliche

Worte, ich sah sie nur an, konnte nichts

damit anfangen, was sie sagte, aber ich

verstand dennoch die Emotion dahinter.

 

ich ging nicht in den Bakony, und Paris,
ja, Paris nahm mich auch nicht wirklich auf,
ich blieb, der ich schon immer war, und bin,
so wie ich bin, zu Hause und auch wieder nicht.

 

zur Ruhe kommen, wenn gerade etwas
entsteht, Erinnerung an alte Zeiten,
einem alten Freund kann ich nur sagen,
dass Blut und Rotz geblieben sind.

 

daher also die triefenden Alltage.
widerliche Masse um uns herum,
wir planschen darin, wie der Verrückte,
der mit seinen eigenen Exkrementen spielt.

 

 

 

Ringen um Atem

 

 

hier ist keine Luft.
kein Sauerstoff unterm fetten Körper,
wie er drückt, wie er drängt,
ist hier kein Sauerstoff.

 

es tut weh – doch das ist fast nebensächlich.

man sieht nicht darunter hervor, siegreich türmt er sich
in die Höhe – das Opfer wird einverleibt und

zusammengepresst: erdrückt und zerquetscht.

 

große Familie, alle zusammen.
alle schweigen, sehr viel Schweigen
in jeder Richtung, gesenkte Blicke
und Stille – die Stille der Tauben.

 

er misshandelt alle, immer wieder.
und dabei – spricht er, lässt keinen

zu Wort kommen. er erklärt,
wie gut dies alles doch sei.

 

er verspricht und droht – macht glauben,
dass ohne ihn nichts und niemand
jene sind, die unter ihm sind, die er
unter sich zwingt – alle, die hier sind.

 

weltweites Ringen um Atem,

landesweites Schnappen nach Luft,

nicht mehr, auch nicht weniger –

nur er, der Aggressor, ist glücklich.

 

es geht so nicht mehr – selbst wenn
sich das Opfer unter dem fetten Körper
befreit, bleibt unser Ringen um Atem
ein Teil von uns, für immer.

Werde still

(Selah-Gedicht op. 1)

 

Werde still.

 

Habe den Mut,

zu schweigen.

 

Flüstere es vor dich hin,
selah.

 

Und bleib bei dir.

 

 

Lautes Wort

(Selah-Gedicht op. 2)

 

Deine Stille ist ein lautes Wort.

 

Voller Furcht warten wir,
auf welche Art du wieder aufschreist.

 

Der Prophet sagt:
selah.

 

Worauf wir uns etwas beruhigen.

 

 

Streitwagen
(Selah-Gedicht op. 3)

Streitwagen brennen im Feuer.

In den Augen Traurigkeit,
und Elend, wohin man blickt.

Selah, flüstert jemand,
und schließt die Augen.

Rauch und Trümmer.

 

 

 

Schädelberg

(Selah-Gedicht op. 4)

 

Schädelberg, Schädelberge.

 

Eingestürzte Häuser.

Ungemein viel Verzweiflung.

 

Dann sagst du nur:

selah.

 

Nichts rührt sich.

 

 

Ernüchterung

(Selah-Gedicht op. 5)

 

Ernüchterung, auf eine Art.

 

Pfade vor ihm,

Entscheidungen, die keine sind.

 

Selah, sagt der Lehrer,

auch deshalb – wartet er ab.

 

Er will nicht entscheiden.

Author

Petőcz András

 

 

Translator

Agnes Nagy

Übersetzerin des Literarischen Lenzes

 
Versek Bécsben